Ingenieurhydrologie und Wassermengenwirtschaft

Wiener Mitteilungen - Band 216

Hochwässer

Bemessung, Risikoanalyse und Vorhersage

 

ÖWAV - Seminar

26. Mai 2009

 

Vorwort

 

"Die Allgemeinheit ist durch die großen Hochwässer der vergangenen zehn Jahre überrascht worden und es ist begreiflich, daß sie auf der Suche nach den Ursachen für diese ungewöhnliche Erscheinung glaubte, die verschiedenen Maßnahmen der Wasserwirtschaft verantwortlich machen zu müssen. Fast dieselben Bedenken sind schon früher geäußert worden, wenn nach längerer Ruhe unerwartet große Hochwässer eintraten. Es ist dies eine Folge der oben geschilderten Häufung der großen Schadenhochwässer in einzelnen Gruppen von wenigen Jahren."


Diese Aussage bezieht sich nicht auf die Extremhochwässer der letzten Jahre in Österreich oder Europa. Sie stammt aus einer Untersuchung der großen Hochwässer am Rhein der Jahre 1925 und 19261). Wenn auch die hydrologischen Extremereignisse keine neue Erscheinung des beginnenden 2. Jahrtausend sind, so stellt sich dennoch die Frage nach dem Umgang mit den Hochwässern für jedes Jahrzehnt neu. Stärkerer Flächendruck, höhere finanzielle Werte in den Überflutungsflächen und geänderte Klimadynamik sind nur einige der neuen Herausforderungen die zu den traditionellen hinzukommen. Das sich jetzt durchsetzende Konzept zum Umgang mit den Hochwässern ist Hochwasserrisikomanagement, bei dem nicht einzelne Maßnahmen des Hochwasserschutzes isoliert betrachtet werden, sondern alle relevanten Maßnahmen in Gesamtheit geplant und durchgeführt werden sollen2).


Obwohl auch diese gesamtheitliche Sicht keinesfalls neu ist (siehe z.B.1)), erfordert sie erneute Anstrengungen des effektives Hochwasserrisikomanagement als eine fach- und ressortübergreifende Querschnittsaufgabe, die sektoral - also zum Beispiel allein durch die Wasserwirtschaft - nicht bewältigt werden kann. Der "Kreislauf des Katastrophenmanagements" besteht aus Vorsorgemaßnahmen (Flächenvorsorge, Risikovorsorge, Informationsvorsorge, Technischer Hochwasserschutz, Vorbereitung des Katastrophenschutzes) und Bewältigungsmaßnahmen während des Ereignisses (Hochwasserwarnung und Kommunikation, Katastrophenabwehr, Soforthilfe für Betroffene und Wiederaufbauhilfe). Dabei ist das funktionierende Zusammenspiel von technischen und nicht technischen Maßnahmen der Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit Hochwässern. Der Slogan "nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser" kommuniziert eindrücklich, dass selbst extreme Hochwässer keine Ausnahmeerscheinung sind, wenn auch im Einzelfall eine große Betroffenheit herrscht. Man kann deshalb aus den vergangenen Ereignissen, und wie mit ihnen umgegangen wurde, viel für die Zukunft lernen.
Mit den in diesem Band zusammengestellten Beiträgen zum Symposium "Hochwässer - Bemessung, Risikoanalyse und Vorhersage" werden die aktuellen Fragen des Hochwasserrisikomanagement sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus praktischer Sicht aufgegriffen. Sie sind in vier Themenblöcke gruppiert: Der erste Block befasst sich mit Ereignisanalysen und den ablaufenden Hochwasserprozessen in den unterschiedlichen Naturräumen Österreichs vom Hochgebirge bis hin zum Flachland. Das Ziel solcher Analysen ist es immer, die Prozesse bei derartigen Ereignissen zu verstehen, und diese mit geeigneten Methoden zu beschreiben. Im zweiten Block geht es um die Bestimmung von Bemessungswerten des Hochwassers. Dabei kommt der Frage der Unsicherheit solcher Werte große Bedeutung zu, wie diese bestimmt und bei der Umsetzung berücksichtigt werden kann. Der dritte Block widmet sich der Risikoanalyse, also der Frage nach den Hochwasserwahrscheinlichkeiten in der Fläche, den möglichen Schäden und der Minimierung der Gesamtkosten. Im abschließenden Block geht es um das aktuelle Thema der Vorhersage und Kommunikation, sowohl während des Ereignisses als auch als Vorsorgemaßnahme. Zutreffende und rechtzeitige Information hat klar eine steigende Bedeutung im Gesamtsystem des Hochwasserrisikomanagement.
Die Veranstalter Technische Universität Wien, Österreichischer Wasserwirtschaftsverband und das Lebensministerium würden sich freuen, wenn mit den hier vorgelegten Beiträgen ein kleiner Beitrag zu den Bemühungen um gute Lösungsansätze für die Praxis geleistet werden könnte.


Günter Blöschl, Mai 2009

 

1 Jahrbuch für die Gewässerkunde Norddeutschlands,  Besondere Mitteilung Bd 5, Nr 2 Berlin 1929, Seite 5.


2 Richtlinie 2007/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2007 über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken, Amtsblatt der Europäischen Union L 288/27.

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Dieser Band ist zum Preis von € 30,- am Institut erhältlich.

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